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Rechtsterroristin als Zeugin: „Dann sag zumindest die Wahrheit“, ruft die Tochter eines NSU-Opfers in Richtung Zschäpe
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Rechtsterroristin als Zeugin
„Dann sag zumindest die Wahrheit“, ruft die Tochter eines NSU-Opfers in Richtung Zschäpe
Von Frederik SchindlerPolitikredakteur
Veröffentlicht am 05.12.2025Lesedauer: 7 Minuten
Rechtsterroristin Beate Zschäpe (Archivfoto)Quelle: Getty Images/Joerg Koch
Im Prozess gegen ihre einst beste Freundin Susann Eminger sagt die NSU-Terroristin Beate Zschäpe als Zeugin aus. Dabei widerruft sie eine frühere Aussage. Als die Rechtsextremistin über die Morde spricht, meldet sich lautstark eine Hinterbliebene zu Wort.
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Donnerstagvormittag im Oberlandesgericht Dresden. In einem Hochsicherheitssaal springt Gamze Kubaşık in den Reihen der Zuschauer plötzlich von ihrem Stuhl auf. „Dann sag zumindest die Wahrheit“, ruft die 40-Jährige. „Du bist verantwortlich, dass mein Vater nicht mehr lebt! Wer hat euch unterstützt?“
Die NSU-Terroristin Beate Zschäpe dreht sich von ihrem Platz im Zeugenstand um. Justizbeamte drängen Gamze Kubaşık aus dem Saal, andere Zuschauer protestieren. Es kommt zu einem Tumult. „Bei allem Verständnis, aber das geht nicht“, sagt die Vorsitzende Richterin Simone Herberger. Zwei Beamtinnen legen Zschäpe Handschellen an.
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Gamze Kubaşık im August 2025Quelle: picture alliance/epd-bild/Rico Thumser
Der Vater, von dem die Frau auf den Zuschauerplätzen spricht, ist Mehmet Kubaşık, ein alevitischer Kurde, der 1991 mit seiner Frau und der damals sechsjährigen Tochter Gamze aus der Türkei nach Deutschland kam und 2003 deutscher Staatsbürger wurde. In Dortmund machte er sich mit einem Kiosk selbstständig. Im April 2006 – Gamze Kubaşık war damals 20 Jahre alt – wurde er von der rechtsextremen Terrorzelle NSU ermordet. Er war das achte von zehn Todesopfern der Mordserie.
Die Ermittlungsbehörden verdächtigten zunächst die Familie, fragten nach vermeintlichen Drogengeschäften, Kontakten zur Mafia und der militanten kurdischen Untergrundorganisation PKK. Erst nach der Selbstenttarnung des NSU im November 2011 wurde in Richtung einer rassistischen und rechtsterroristischen Motivation ermittelt.
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Als Gamze Kubaşık am Donnerstag aus dem Saal des Oberlandesgerichts gebracht wird, unterbricht die Richterin die Verhandlung. „20 Jahre, die Kinder ohne Vater“, ruft eine weitere Angehörige auf dem Hof.
Mehmet Kubaşık (1966-2004)Quelle: dpa/picture alliance
Verhandelt wird an diesem Tag der Prozess gegen die langjährige Neonationalsozialistin Susann Eminger. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Unterstützung einer terroristischen Vereinigung sowie Beihilfe zur räuberischen Erpressung vor. Eminger hatte Zschäpe ihre Identität geliehen, etwa durch das Überlassen einer Krankenkassenkarte und mehrerer Bahncards.
In dem Moment, in dem die Hinterbliebene aufspringt und ruft, spricht Zschäpe gerade über die Morde, für die sie im Jahr 2018 nach fünfjährigem Prozess als Mittäterin zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Die Vorsitzende Richterin erinnert Zschäpe an das erste Todesopfer, den am 11. September 2000 in Nürnberg ermordeten Blumenhändler Enver Şimşek. „Ausländer zu suchen, türkischer Abstammung. Wann ist das in Ihrer Gruppe, in Ihrem Trio entstanden?“, will Herberger wissen. „Ausländerfeindlichkeit lag bei uns ja schon vorhanden“, antwortet Zschäpe. „Diese Einstellung hat bei uns schon in Jena geherrscht.“
Enver Şimşek (1961-2000)Quelle: dpa/picture alliance
Die heute 50-jährige Zschäpe stammt aus Jena, wie die anderen beiden Haupttäter Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die sich nach einem gescheiterten Banküberfall im November 2011 erschossen. Gemeinsam mit weiteren Neonazis bildeten sie dort die Kameradschaft Jena, die zum Zusammenschluss Thüringer Heimatschutz gehörte.
In Jena meldete Zschäpe etwa in den Jahren 1995 und 1996 rechtsextreme Demonstrationen an, erinnerte an Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß und plakatierte vor dem 8. Mai „Wir feiern nicht! Schluß mit der Befreiungslüge!“. In der Szene radikalisierte sie sich. Nach einer Straftatenserie ging das Trio 1998 aus Furcht vor Strafverfolgung in den Untergrund. „Man hatte auch Angst, dass jederzeit die Polizei einreitet“, sagt Zschäpe am Donnerstag.
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„Im September 2000 dann nach Nürnberg zu reisen und einen Menschen umzubringen. Wie kam es dazu, dass Sie sich dazu entschieden haben?“, fragt die Richterin. „Unerklärlich“, sagt Zschäpe. „Weil es keinen Grund dafür gibt.“ Es sei „Frustration herangewachsen“. Dann folgt ein Monolog, der an manchen Stellen klingt wie auswendig gelernt. „Diese Menschen haben nichts gemacht. Und aufgrund ihrer Herkunft, ihres Äußeren – das hat nichts mit ihrer Persönlichkeit zu tun – sind sie ermordet worden. Ohne dass sie irgendjemandem etwas Schlechtes getan haben.“ Dann sagt sie: „Wir waren kleine Würstchen.“
Dass ihre Opfer „nur aufgrund ihrer Herkunft umgebracht wurden“, sei „ganz schlimm“. „Dass sich dann sogar darüber geärgert wurde, dass das eine ja gar kein Türke war, sondern eine andere Herkunft und man sich getäuscht hat.“ Gemeint ist Theodoros Boulgarides, ein griechischstämmiger Mitinhaber eines Schlüsseldienstes, ermordet am 15. Juni 2005 in München. Michalina Boulgarides, eine der Töchter, sitzt ebenfalls als Zuschauerin im Saal, sie schluchzt an dieser Stelle. „Dafür gibt es keine Entschuldigung“, sagt Zschäpe. „Wenn das jemand meiner Oma angetan hätte, ich würde es niemandem verzeihen.“
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Würde Zschäpe dann wollen, dass die Tat vollständig aufgeklärt wird? Würde sie dies auch von den Tätern verlangen? Diese Fragen stellt die Richterin am Donnerstag nicht. Und Zschäpe sagt nichts, was zu einer weiteren Aufklärung der vielen offenen Fragen des NSU-Komplexes beitragen könnte. Sie wiederholt bereits bekanntes, belastet höchstens bereits rechtskräftig verurteilte Helfer.
An vielen Stellen gibt sie sich keinerlei Mühe, die Fragen der Richterin zu beantworten: „Ich gehe davon aus“, sagt sie dann. – „Das kriege ich nicht hin.“ – „Ich habe keine Vorstellung.“ – „Das ist lange her.“ – „Das habe ich nicht mitbekommen.“ – „Ich kann ja nichts erfinden.“ – „Ich war jetzt nicht groß dabei.“
„Ich habe das weggeschoben“, sagt Zschäpe
Die Blicke von Zschäpe – zu einem Zopf gebundene rot gefärbte Haare, Schal in Leopardenmuster – und ihrer einst besten Freundin Eminger – blond gefärbte Haare, große weiße Ohrringe, Schmetterling-Tattoo im Nacken – treffen sich am Donnerstag nicht.
Kurz vor der Selbstenttarnung hatte Eminger Zschäpe etwa zu der Anmietung eines Wohnmobils gefahren, das für einen weiteren Raubüberfall vorgesehen war. „Ich bin gerade mit Lise und Gerry unterwegs, ich liebe dich“, schrieb sie damals an ihren Mann André Eminger, der im Münchner NSU-Prozess wegen Terrorunterstützung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Lise und Gerry waren die Tarnnamen von Zschäpe und Böhnhardt.
Susann Eminger am Donnerstag im Oberlandesgericht DresdenQuelle: Sebastian Kahnert/dpa
In Dresden muss nun geklärt werden, ob Eminger nicht nur von den Überfällen, sondern auch von der Mordserie wusste. Zschäpe habe ihr „noch nie“ von den Morden erzählt, behauptet sie am Donnerstag. Das Münchner Urteil stellte fest, dass André Eminger bereits seit dem Jahr 2007 von den Morden wusste.
Ein bemerkenswerter Dialog entwickelt sich zwischen Bundesanwalt Kai Lohse und Zschäpe auch, als Lohse fragt, ob das Trio damals die Ereignisse vom 11. September 2001 mitbekommen habe, die islamistischen Terroranschläge in den USA. „Ja, wir haben schon Fernsehen geschaut“, sagt Zschäpe. „Wir haben Sie darauf reagiert?“, fragt Lohse. „Das wurde für gut befunden.“ Sowohl in neonazistischen als auch in islamistischen Ideologien finden sich ausgeprägte antiamerikanische und antiwestliche Ressentiments, häufig verbunden mit antiimperialistischen und antikapitalistischen Weltbildern.
Dann fragt der Bundesanwalt nach dem ersten Mord des NSU. „Wie war Ihre erste Reaktion?“, fragt er. Zschäpe hält die Hände zusammen und schaut nach unten. „Natürlich war man fassungslos“, sagt sie. „Wurde ein Grund dafür genannt?“ „Wir haben das ja schon in die Flucht genommen, die politische Überzeugung, die wir hatten, der Hass auf türkische Menschen, aber nicht nur sie“, sagt Zschäpe. „In Jena waren es mehr jüdischen Glaubens gewesen. Das hat sich dann aber gewandelt. Das ist in den ganzen Frust mit eingeflossen. Das ist gezielt gewesen.“
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„Was sollte denn eigentlich damit erreicht werden?“, fragt Lohse. „Angst und Unruhe zu verbreiten.“ Dann habe es länger gedauert, bis es sich „wieder beruhigt“ habe. Nach den späteren Morden sei dann immer weniger darüber gesprochen worden. „Ich habe nicht weiter drüber nachgedacht“, sagt Zschäpe. „Ich habe das weggeschoben.“
Das Oberlandesgericht München ging davon aus, dass Zschäpe als gleichberechtigtes Mitglied des NSU-Kerntrios handelte und die Mordtaten mitgetragen, unterstützt und durch ihre Rolle im Hintergrund überhaupt erst ermöglicht hatte. Entscheidend war die Feststellung des Gerichts, dass Zschäpe den gemeinsamen Tatplan kannte, billigte und förderte. Sie informierte nach dem erweiterten Suizid von Böhnhardt und Mundlos Unterstützer des Trios und versandte mehrere Ausführungen eines Bekennervideos an Medien und Parteien.
Im Prozess hatte sie jahrelang geschwiegen und gegen Ende in einer schriftlichen Einlassung behauptet, erst nach den Mordtaten davon erfahren zu haben.
„Entsprachen Ihre Angaben in München der Wahrheit?“, will Emingers Anwalt Uwe Schadt wissen. Zschäpe: „In größten Teilen schon, aber es war anwaltlich ausgefeilt.“
„Entsprach es der Wahrheit, dass Sie im Vorfeld von den Morden nichts wussten?“ „Das ist ganz klar nicht richtig gewesen“, sagt Zschäpe. „Anhand bestimmter Faktoren wusste ich, dass sie deswegen losfahren. Dementsprechend wusste ich, dass Morde geschehen werden.“
Die Zeugenvernehmung von Zschäpe wird Ende Januar 2026 fortgesetzt.
Politikredakteur Frederik Schindler berichtet für WELT über die AfD, Islamismus, Antisemitismus und Justiz-Themen. Zweiwöchentlich erscheint seine Kolumne „Gegenrede“.
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