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Sachsenkriege: Wo die Westfalen einst ihre Machtzentren hatten und warum sie das Christentum vermutlich schon kannten, bevor sie von Karl dem Großen mit dem Schwert missioniert wurden





Sachsenkriege

Auf den Holzkohle-Spuren der ersten Westfalen


Autorenprofilbild von Andreas Fasel Von Andreas FaselRedakteur Nordrhein-Westfalen
Veröffentlicht am 20.12.2024Lesedauer: 5 Minuten



Die Niederschlagung der Westfalen während der Sachsenkriege war im 19. Jahrhundert sogar ein Motiv auf französischen Schokolade-Sammelbildchen
Die Niederschlagung der Westfalen während der Sachsenkriege war im 19. Jahrhundert sogar ein Motiv auf französischen Schokolade-SammelbildchenQuelle: picture alliance / akg-images

Vor 1250 Jahren wurden die Volksstämme der Westfalaos erstmals schriftlich erwähnt und von Karl dem Großen in den Sachsenkriegen unterworfen. Bis heute ist unklar, wo sie ihre Machtzentren hatten. Forscher suchen nun danach  und korrigieren Fehlannahmen der Geschichtsschreibung.



Die Forscher sind bereits von Weitem zu hören. Es klingt, als wäre ein Presslufthammer im Einsatz. Auf einer baumlosen Fläche auf dem Burgberg im Iserlohner Stadtteil Oestrich treibt ein kleines Team von Archäologen mit einem motorgetriebenen Gerät, das wie ein Laubbläser aussieht, ein langes Metallrohr in den Boden. Danach hebeln sie das Rohr wieder aus dem Boden. Rammkernsondierung nennt man diese Art der Untersuchung. 
Florian Jüngerich, einer der Archäologen, legt das Rohr auf den Boden. Es ist auf einer Seite so aufgeschnitten, dass die Erde zu sehen ist, die beim Bohrvorgang ins Rohr gedrückt wurde. Mit einer kleinen Kelle kratzt Jüngerich Zentimeter für Zentimeter heraus. Dabei ruft er einer Mitarbeiterin zu, welche Farbe und Konsistenz das Material hat. Sie notiert seine Beschreibungen akribisch. Ich komme mir vor wie ein Zahnarzt bei der Untersuchung, sagt Jüngerich lachend. Er sucht allerdings nicht nach Karies, sondern nach Holzkohle. Schon ein winziges Stück kann eine konkrete Jahreszahl liefern.

Jüngerich leitet ein Projekt, bei dem Burgen des frühen Mittelalters untersucht werden. Die Forscher versuchen herauszufinden, welche dieser Anlagen in jener Zeit genutzt wurden, als der Frankenherrscher Karl der Große das heutige Westfalen in den sogenannten Sachsenkriegen der Jahre 772 bis 804 militärisch unterwarf. Wir wollen damit etwas über die Machtstrukturen in Erfahrung bringen, die Karl hier vorgefunden hat, sagt Vera Brieske, Geschäftsführerin der Altertumskommission für Westfalen, Initiatorin des aktuellen Projekts und deswegen bei der Bohrung in Oestrich dabei.


Fündig geworden: Der Archäologe Florian Jüngerich hat bei einer Rammkernsondierung ein Stück verkohltes Holz in der Bodenprobe entdeckt
Fündig geworden: Der Archäologe Florian Jüngerich hat bei einer Rammkernsondierung ein Stück verkohltes Holz in der Bodenprobe entdecktQuelle: Andreas Fasel

Mit dieser Untersuchung leitet die Altertumskommission, die dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) angegliedert und für Archäologie in Westfalen zuständig ist, ein Jubiläumsjahr ein: 2025 feiern die Westfalen gewissermaßen 1250-jährigen Geburtstag. Im Jahr 775 wurde der Name des sächsischen Volksstamms der Westfalaos erstmals schriftlich festgehalten, der Begriff taucht in den Chroniken zu den Sachsenkriegen auf. Im Mai soll zum Jubiläum eine Ausstellung im Paderborner LWL-Museum eröffnet werden. 

Zwar gibt es einige Textstellen in den sogenannten Reichsannalen, in denen die grausame Unterwerfung der rechtsrheinischen Gebiete beschrieben wird. Etwa wie Karl die Irminsul zerstören ließ, jene Säule, die als Sinnbild einer das Himmelsgewölbe tragenden Weltsäule von höchster religiöser und politischer Bedeutung war. Auch wird geschildert, wie die Franken verschiedene burgartige Befestigungen eroberten.
Doch wo diese standen, ist bis auf wenige Ausnahmen ungeklärt. Denn westfälische Burgen waren im 8. und 9. Jahrhundert nicht aus Stein gebaut, sondern aus Holz und Erde. Und deshalb ist von ihnen heute meist nicht mehr zu sehen als ein paar Unebenheiten im Gelände. 


775 besiegt Karl der Große die "Westfalaos". Eine Sammlung königlicher Erlasse aus den Jahren 813 bis 817, zeigt entweder Karl den Großen oder seinen Enkel Bernhard von Italien, der einer Frau, vermutlich Justitia, die Gesetzestexte überreicht. Diese möglicherweise älteste Abbildung Karls des Großen ist ab Mai 2025 im LWL-Museum in Paderborn zu sehen
775 besiegt Karl der Große die "Westfalaos". Eine Sammlung königlicher Erlasse aus den Jahren 813 bis 817, zeigt entweder Karl den Großen oder seinen Enkel Bernhard von Italien, der einer Frau, vermutlich Justitia, die Gesetzestexte überreicht. Diese möglicherweise älteste Abbildung Karls des Großen ist ab Mai 2025 im LWL-Museum in Paderborn zu sehenQuelle: LWL / Gerfried Sitar

So auch auf dem Burgberg in Iserlohn-Oestrich. Ein Erdwall, der sich einige hundert Meter durch den Wald zieht  das war es auch schon. Zwar werden auf einer Infotafel Keramikfunde erwähnt, die eine Datierung ins 8. Jahrhundert und die Deutung dieser Burg als Sitz einer lokalen Herrschaft zu Zeiten der Sachsenkriege nahelegen. Doch dies seien nur vage Erkenntnisse aus den Anfängen der archäologischen Erforschung, sagt Vera Brieske. 
Mittlerweile haben die Wissenschaftler Methoden, die mit wenig Aufwand erstaunliche Einsichten ermöglichen. Mit Geomagnetik- und Bodenradar-Geräten lassen sich Auffälligkeiten orten, die metertief unter der Grasnarbe liegen. Dies machen sich nun auch Jüngerich und Brieske zunutze. Auf ihren Aufnahmen, die an Fotos der Mondlandschaft erinnern, sind schwarze, kreisrunde Löcher zu erkennen  mitten im einstigen Burggelände. Anhand der GPS-Daten lokalisieren die Forscher diese Stellen  und holen genau dort Proben aus der Tiefe. 
Wir hoffen, dass wir es bei einem der schwarzen Löcher mit einem alten Brunnenschacht zu tun haben, erklärt Jüngerich. Brunnen sind für Archäologen wahre Fundgruben, weil sich darin der Abfall der Geschichte angesammelt hat. Sollten Reste von Holz oder Holzkohle darin liegen, so lassen sich diese mit der C14-Methode meist gut datieren. Aber auch die Wälle alter Burganlagen bergen oft Material für Altersbestimmungen. Solche Wälle waren mit Holzpfosten befestigt, erklärt Brieske. Sollten die Burgen angegriffen und niedergebrannt worden sein, so sind im Boden oft noch Reste der verkohlten Hölzer zu finden.


Die Liebig-Bilderserie von 1893 zeigt, wie Karl der Große die Irminsul zerstören ließ, eine religiös und politisch bedeutsame Säule, die möglicherweise auf der Eresburg stand
Die Liebig-Bilderserie von 1893 zeigt, wie Karl der Große die Irminsul zerstören ließ, eine religiös und politisch bedeutsame Säule, die möglicherweise auf der Eresburg standQuelle: picture alliance / Bildagentur-online

Ein gutes Dutzend mutmaßlich frühmittelalterlicher Burg-Plätze haben die Forscher bereits untersucht. 30 bis 35 Anlagen sollen es insgesamt werden, sagt Vera Brieske. Darunter viele namenlose wie in Oestrich. Es gibt aber auch Burgen, die in den Aufzeichnungen der fränkischen Geschichtsschreiber namentlich genannt werden. Die Sigiburg etwa, die später als Hohensyburg bekannt wurde. Oder die Brunisburg bei Höxter und die Iburg bei Bad Driburg. Vor allem aber: die Eresburg bei Marsberg im Sauerland. 
Dort bezog Karl der Große bei seinen Feldzügen mitsamt seinem Gefolge Quartier. Aber, sagt Brieske, wir sind mittlerweile nicht mehr sicher, dass es sich bei der Anlage, die wir heute als Eresburg bezeichnen, um den Ort handelt, der in den Reichsannalen als Eresburg beschrieben wird. 
Genährt wird dieser Zweifel durch Untersuchungen der letzten Jahre. Im Umland einer so bedeutenden Burg müsste es Siedlungen zur Versorgung gegeben haben. Doch die Befunde sind dürftig. Stattdessen wurden die Archäologen anderswo fündig. Zum Beispiel auf dem Gaulskopf, einer Hügelkuppe in der Warburger Börde. Stand dort die legendäre Eresburg?


Das zweieinhalb Zentimeter große Goldkreuz aus der Befestigungsanlage auf dem Gaulskopf zeigt, dass dort schon im 7. Jahrhundert Menschen lebten, die mit dem Christentum vertraut waren
Das zweieinhalb Zentimeter große Goldkreuz aus der Befestigungsanlage auf dem Gaulskopf zeigt, dass dort schon im 7. Jahrhundert Menschen lebten, die mit dem Christentum vertraut warenQuelle: LWL/Stefan Brentführer

Vera Brieske war in den 1990er-Jahren an den Grabungen auf dem Gaulskopf beteiligt. Und sie war dabei, als dort ein kleines Goldkreuz gefunden wurde. Ein Kreuz, das die Forscher ins Grübeln brachte. Denn wie einige andere Kreuzdarstellungen, die man in der Region gefunden hat, stammt es aus einer Zeit vor den Sachsenkriegen. Mittlerweile sei davon auszugehen, sagt Brieske, dass es schon vor der gewaltsamen Christianisierung durch Karl den Großen in Westfalen Familien gab, die christliche Rituale kannten und sich mit christlichen Symbolen umgaben  Angehörige einer Elite, auf deren Unterstützung sich Karl verlassen konnte.
Gold finden die Archäologen an diesem Tag auf dem Burgberg von Oestrich keines. Aber Holzkohle gab es reichlich. An mehreren Bohrungsstellen konnte Florian Jüngerich aus dem Metallrohr kleine schwarze Stückchen herauskratzen. Sie liegen nun im Labor. Die Forscher sind gespannt, was bei der Altersbestimmung herauskommen wird.