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Hamburg: Ein Opfer fiel panisch in die Tiefe  Urteil gegen 19-Jährigen wegen Vergewaltigungen in Hochhaus





Hamburg

Ein Opfer fiel panisch in die Tiefe  Urteil gegen 19-Jährigen wegen Vergewaltigungen in Hochhaus

Veröffentlicht am 27.08.2025Lesedauer: 3 Minuten



27.08.2025, Hamburg: Der Angeklagte steht im Strafjustizgebäude in Hamburg. Er soll zwei junge Frauen, mit denen er zuvor über Snapchat in Kontakt stand, bedroht, missbraucht und verletzt haben. Foto: David Hammersen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Der verurteilte Libanese im GerichtssaalQuelle: David Hammersen/dpa

Der Täter könne kein Mitgefühl empfinden, Nachrichten aus der Haft zeigten, dass ihm seine Opfer völlig egal seien: In Hamburg wird ein 19-Jähriger wegen Vergewaltigung verurteilt. Der Richter wirft dem Verurteilten einen verstörenden Zynismus vor.




Wegen der Vergewaltigung von zwei Jugendlichen hat das Landgericht Hamburg einen 19-jährigen Libanesen zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und zehn Monaten verurteilt. Nach Überzeugung des Gerichts soll er im Januar ein 14-jähriges Mädchen und eine 18-jährige Frau in einem Hochhaus in Wilhelmsburg bedroht, missbraucht und verletzt haben. Die Vergewaltigung der 18-Jährigen wertete das Gericht als besonders schwere Vergewaltigung. Zudem wurde er wegen Bedrohung und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.
Zu Beginn des Prozesses war die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden. Der Vorsitzende Richter begründete die Entscheidung unter anderem mit dem Alter einer der beiden jungen Frauen, die noch minderjährig sei. Erst zur Urteilsverkündung wurde die Öffentlichkeit wieder zugelassen.

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Die Beweislage sei sehr klar gewesen, sagte der Richter. Zudem rechnete das Gericht dem Angeklagten sein umfassendes Geständnis hoch an. Damit haben Sie den beiden jungen Frauen eine langwierige Vernehmung vor Gericht erspart, betonte der Richter. Trotzdem würden die beiden ihr Leben lang unter den psychischen Folgen der Taten leiden. Die beiden seien nicht in der Lage gewesen, im Beisein des Angeklagten auszusagen und hätten bei ihrer Vernehmung sehr viel geweint, sagte der Richter.
Der Angeklagte, der zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt war, hatte die Jugendlichen über den Messenger-Dienst Snapchat kontaktiert. Am 17. Januar 2025 traf er die 18-Jährige laut Anklage im 9. Stock des Treppenhauses eines Hochhauses. Dort drückte der Libanese sie gegen eine Wand und drohte ihr, sie zu töten, sollte sie seinen Aufforderungen nicht Folge leisten.

Opfer stürzte panisch von einem Laubengang in die Tiefe

Danach soll das verängstigte Opfer auf Verlangen des Angeklagten sexuelle Handlungen vorgenommen haben. Schließlich konnte die 18-Jährige auf einen Laubengang des sechsten Stockwerks flüchten, kletterte dort voller Panik auf eine Brüstung und fiel in die Tiefe. Die junge Frau erlitt schwere Verletzungen und lag mehrere Wochen auf der Intensivstation eines Krankenhauses.
Einen Tag später soll der Angeklagte die 14-Jährige am selben Ort getroffen haben. Er bedrohte sie mit einer ungeladenen Gaspistole, damit sie ihm ihr Smartphone gibt und nicht die Polizei ruft. Anschließend verlangte er sexuelle Handlungen und drohte ihr, sie zu töten, sollte sie sich weigern. Außerdem soll er das Mädchen geschlagen und gewürgt haben. Der 14-Jährigen gelang es zu flüchten und die Polizei zu informieren.
Es sei an Zynismus nicht zu überbieten, dass der Angeklagte zwölf Stunden nach der Tat wieder eine solche Tat beging, betonte der Richter. Zudem zeigten Nachrichten aus der U-Haft, dass ihm völlig egal sei, was er den beiden jungen Frauen angetan habe. Laut einem Gutachten eines Jugendpsychologen liege das an der Persönlichkeitsstruktur des Angeklagten, der kein Mitgefühl und keine Empathie entwickeln könne und noch sehr unreif sei. 
Das liege auch daran, wie er aufgewachsen sei, betonte der Richter  unter anderem lebte die Familie mit sieben Personen in einer Zwei-Zimmerwohnung, wo er keine Privatsphäre gehabt hätte. Das entschuldigt die Taten nicht, erklärt aber vieles, sagte der Richter. Er hoffe nun, dass der Angeklagte die Strafe als zweite Chance begreife und weiter an sich arbeite.
dpa/säd